Erinnerungen an den 25. Januar 2011

 

Die Ägypter gedenken heute ihrer Revolution. Auf Facebook werden schon seit Tagen Erinnerungsbilder und Fotos der aktuellen Militär- und Polizeipräsenz geteilt.

Ganz ehrlich: ich habe wenig Erinnerungen an den 25. Januar 2011. Nicht, weil es schon 5 Jahre her ist, das Leben schon ca. 1826 Tage weitergegangen ist, nicht wegen der Arbeit, Umzügen, 5 Steuererklärungen, unerwarteten Krankheiten, Kindergeburtstagsfeiern, Einschulungen, Schwierigkeiten bei den Hausaufgaben, Unmengen an Papierkram und Millionen anderer Dinge, die in der Zwischenzeit passierten. Am 25. Januar 2011 konnte von einer Revolution noch nicht die Rede sein – jedenfalls nicht dort, wo ich mich gerade befand. Wir waren knapp zwei Wochen in Damanhur, Hauptstadt der ägyptischen Provinz al-Buhaira, etwa 160 km nordwestlich von Kairo, und ungefähr 70 km südöstlich von Alexandria. Unser Sohn war drei und unsere Tochter noch nicht mal zwei Jahre alt. Mein Mann und ich waren mit der festen Überzeugung von Deutschland abgeflogen, wir würden eine ruhige Zeit verbringen. Es hatte schon in den Jahren zuvor immer mal wieder Proteste gegen das Mubarak-Regime gegeben, aber meist waren sie schnell vorbei, zu unorganisiert, zu unentschlossen, zu uneinig oder zu elitär. Selbst im Schwung der Ereignisse in Tunesien, glaubte niemand, mit dem ich sprach, an einen ernstzunehmenden Aufstand. Das änderte sich freilich während der darauffolgenden Tage.

Am Vormittag des 25.1. Tag saßen wir im Wohnzimmer und warteten auf unseren ersten eigenen ägyptischen Telefon- und Internetanschluss. Der Anbieter baute stattdessen eine Satellitenschüssel aufs Dach. Fernsehsender aus der halben Welt sollten wir damit empfangen können. Nun ja … wir bekamen tatsächlich ein paar englischsprachige Sender, Deutsche Welle und alle Rai-Kanäle. Außerdem gab es Sender aus Kuwait und Bahrain, die gelegentlich deutsche Serien aus 1990ern mit hocharabischer Synchronisierung ausstrahlten. Bedröppelt dreinschauende, leicht bekleidete deutsche Schauspielerinnen, die vor blauem Himmel und schneebedeckten Alpengipfeln auf  Fuṣḥā ihren Herzschmerz kundtaten.

Warum es damals mit dem Internetanschluss nicht klappte? Keine Ahnung! Irgendwas funktionierte nicht, Kabel fehlten etc. Der Mann hatte entweder keine Lust oder eine Vorahnung. Die Verbindung, die wir über ein von Fenster zu Fenster gezogenes Kabel mit der Familie meiner Schwägerin teilten, reichte nicht aus, um Emails zu schreiben oder – wie geplant – meinen Blog einzurichten. Dazu kam ich erst nach unserer Rückkehr nach Deutschland. Ab dem 27. Januar 2011 wurde das Internet in Ägypten abgeschaltet und die Dinge auf den Straßen nahmen ihren bekannten Lauf. Meinen ersten Artikel zu den Ereignissen sendete ich dann im Februar ins World Wide Web, mithilfe eines dünnen Kabels, das ich festhalten musste, damit der Wind es nicht aus meinem Notebook riss.

Aber am 25.01. am Vorabend der ägyptischen Revolution schaute ich gelassen Fernsehen. Star Trek (TOS) „Patterns of Force“ Immerhin im amerikanischen Originalton.

Was mit uns zwischen dem 25. Januar und dem 9. Februar 2011 ohne digitale Verbindung zur Außenwelt geschah? Ist der 5. Jahrestag einer verkappten Revolution, die eigentlich an anderen Tagen stattfand, ein angemessener Zeitpunkt darüber zu reflektieren? Ich lass es Euch wissen.

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