waste — kein Frühjahrsputz

deutscher Text unter dem Bild in der Mitte
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This wall in Damanhour (Beheira Governorate, Egypt) hides an unbuilt plot. Last year in march some young people started to create graffiti to express their social and political conceptions. This wall was one of the first spaces for their experiments. The white handwriting can be translated as »Tidiness appertains to faith«. In the most Egyptian regions the rising levels of domestic refuse, filthy streets and pollution cause a lot of problems. In Damanhour as in many other bigger towns refuse disposal and street cleaning were reorganized several times — without any success.
In spring of 2011 after Mubarak’s resignation in many regions of Egypt young people occupied their villages, towns, quarters and streets by cleaning them every friday1. This movement could have been a substantial contribution to the democratic development. But it failed. One can say that the committed and hopefull youth of Egypt has been discouraged in many ways.
Perhaps you discover that there is a hole in the wall and there is an illegal dump site behind. Nevertheless a political party choosed this place for electoral advertising = the graffito with the red and blue writings on white background. Indeed most of the new graffiti in this region were made for electoral or commercial advertising.
Below the advertisement graffito there is still a red and black writing that belongs to the picture in the center and white slogan (»Tidiness appertains to faith«). It is a kind of signature that shows who was claiming more tidiness: „The youth of the district of Admun“
Admun was a coptic businessman who owned the land around the largest Coptic cathedral of the Beheira Governorate. He sold all this land mainly to Muslims and also grounded a Coptic hospital near the cathedral. So this area became a very special and heterogeneous neighborhood. Some times people tried to change the Name „Ard Admun“ (land of Admun) into a neutral or a muslim name. Probably the young people who made these graffiti were Muslims – as the most people in Egypt and most people in „Ard Admun“. A hint is the name ‚Ahmed‘ that is written with white color next to the motorcycle. The youth of „Ard Admun“ could not keep the streets tidy but brought the discussion about the name to an end. They really pointed the way for a more uncomplicated way of living together.
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1 One year ago I wrote an article about this developments „Frühjahr in Ägypten„. It is in german, but if someone likes to translate it, he or she will be welcome.
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Diese Wand in Damanhur (Al-Buhaira, Ägypten) soll ein unbebautes Grundstück abgrenzen. Im März letzten Jahres begannen einige Jugendlich sie zu bemalen. Das Bild in der Mitte bedarf, glaube ich, keiner weiteren Erläuterung. Daneben steht in weißer Schrift geschrieben: „Sauberkeit gehört zum Glauben“. Wie in den meisten Gebieten Ägyptens gibt es hier ein Müllproblem. Die Straßen sind verdreckt und es gibt zahlreiche illegale Müllkippen. Mehrfach wurde die Müllabfuhr und Straßenreinigung neu organisiert, privatisiert und wieder kommunalisiert. Seit mehr als 2 Jahren ist die kommunale Müllabfuhr fast täglich im Einsatz. Aber sobald der letzte Müll von einer Straße beseitigt ist, ist schon wieder neuer da. Da es keine Mülltonnen gibt, landen die meisten Abfälle auf dem Gehweg oder am Straßenrand. Leere Coladosen, Chipstüten, Bonbonpapiere etc. werden unterwegs (ob nun zu Fuss oder mit dem Auto) ohne Umwege auf der Straße entsorgt. Auch aus Fenstern oder von Balkonen wird Müll geworfen. Den Zusammenhang mit den unansehnlichen Straßen und mancherorts unpassierbaren Fusswegen stellen die wenigsten her.
Im Frühjahr 2011 nach dem Sturz Mubaraks starteten Jugendliche im ganzen Land Initiativen das Straßenbild zu verbessern. Eine Methode, den neu erkämpften Lebensraum zu verantworten. Sie räumten auf, säuberten, reparierten und malten (Siehe dazu auch meinen Artikel aus dieser Zeit: Frühjahr in Ägypten). Das taten sie bis zu meiner Abreise Ende April 2011 regelmäßig. Bei meiner Rückkehr im Dezember war davon — genauso wie von vielen anderen hoffnungsvollen Ideen – nichts mehr zu bemerken. Hinter der bemalten Mauer befindet sich eine illegale Müllkippe. Die Graffiti aber sind geblieben. Inzwischen hat sich eine Wahlwerbung aus der Zeit der Parlamentswahlen (Ende letzten Jahres) dazu gesellt – weiß grundiert mit blauer und roter Schrift. Die meisten Graffiti in dieser Region dienen tatsächlich der politischen und noch häufiger der kommerziellen Werbung. Die Wahlwerbung verdeckt aber leider ein Stück eines äußerst spannenden Schriftzugs: nämlich die Unterschrift unter dem Aufruf zur Sauberkeit. Aber wenn man nah an die Wand herangeht, kann man das meiste unter der weißen Farbe erkennen (auf dem Bild ist das leider nicht so gut zu sehen). Auf dem Foto kann man direkt unterhalb der weißen Grundierung einige nicht übermalte rot-schwarze Worte lesen. Da steht: „Die Jugend des Viertels von Admun“
Admun war ein reicher Kopte, dem das Land  um die größte koptische Kathedrale und dem Bischofssitz der Provinz gehörte. Er verkaufte das gesamte Land  — zum großen Teil an Muslime — und begründete gegenüber der Kathedrale ein koptisches Krankenhaus. So dass hier ein sehr gemischtes Viertel entstand. Es gab immer wieder Bestrebungen, dem Viertel einen anderen neutralen oder eher muslimischen Namen zu verleihen. Die Jugendlichen haben mit ihren Graffiti einen Fakt geschaffen. Das Viertel heißt jetzt offiziell „Ard Admun“ (Land von Admun).
Der Name des Graffiti-Künstlers steht übrigens in etwas kleinerer weißer Schrift unten neben dem Motorrad. Er heißt Ahmed – man kann also davon ausgehen, dass er Muslim ist wie der größte Teil der Bevölkerung Ägyptens und auch des Viertels von Admun. Dem kommt eine besondere Bedeutung in einer Zeit zu, in der der Islam in Ägypten vorwiegend radikalisierenden Einflüssen unterworfen ist und gleichzeitig genug Geld fließt, in jeder Straße dieses Viertels eine Moschee zu bauen. Das Bekenntnis der Jugendlichen aus dem letzten Jahr, hat ein Zeichen gesetzt. Als zu den koptischen Osterfeierlichkeiten vor ein paar Wochen zahlreiche Gäste aus der Provinz in die Kathedrale strömten, war die Stimmung gelöst. Die Sicherheitsvorkehrungen waren im Vergleich zu vielen vielen Jahren vorher sehr moderat, selbst als der Gouverneur und Mitglieder des Militärrates und der hiesige Bischof, der seit dem Tod Shenudas III. dessen Amtsgeschäfte als Papst der Kopten führt, erschienen.

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